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Das Heulen der Sirenen wirkt bis heute nach - Ein Gespräch mit Zeitzeuginnen über Flucht und Vertreibung nach 1945

An die Mehlsuppe, die ihre Mutter irgendwo zwischen den Gleisen kochte, um notdürftig den größten Hunger ihrer Kinder zu stillen und sie mit etwas Nahrung zu versorgen, erinnert sich Maria Mennecke (Jg. 1938) noch genau. 1946 wurde die Familie aus Schlesien vertrieben, musste binnen weniger Stunden ihre Rucksäcke packen und den elterlichen Hof in der Nähe der Stadt Neiße verlassen. Wohin der Zug aus Viehwaggons sie brachte, wusste die Familie damals nicht. Im Juni 1946 kamen sie in Hannover an.

Als Zeitzeuginnen berichteten Maria Mennecke und Regina Bobien (Jg. 1939), die 1945 als Kind mit ihrer Mutter und drei kleinen Geschwistern aus Königsberg im damaligen Ostpreußen floh, im Hannover Kolleg über ihre individuellen Erfahrungen. Die Geschichtslehrerin Ute Schröder, die derzeit mit den Kollegiatinnen und Kollegiaten das Thema Flucht und Vertreibung nach 1945 behandelt, hatte die Veranstaltung mit drei Gästen für die Geschichtskurse des Jahrgangs 12 organisiert. Simon Benne, Redakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und Autor des Buches „Fremde Heimat. Als die Vertriebenen nach Hannover kamen" berichtete von seiner Recherche bei Zeitzeugen und skizzierte die allgemeine Situation der Flüchtlinge, die nach dem Kriegsende 1945 in Hannover ankamen.

1946 trafen in wenigen Monaten zehn Transporte mit jeweils oft mehr als 2000 Personen am Hauptbahnhof Hannover ein. Der Bahnhofsbunker unter dem Ernst-August-Platz wurde für viele die erste Anlaufstelle, so auch für die damals sechsjährige Regina Bobien. Als „Schleuse des Elends" betitelte die Lokalzeitung die dortigen Umstände im selben Jahr. Niedersachsen war eines der Hauptaufnahmeländer, sodass Flüchtlinge und Vertriebene 1949 dann sogar fast 40 Prozent der Bevölkerung stellten.

Der Empfang auf einem Bauernhof in Lathwehren, wo Regina Bobiens Familie zwangseinquartiert wurde, war keinesfalls freundlich. Die Flüchtlinge stießen auf Ablehnung. „Wir hatten es schwer", fasst Regina Bobien ihre Kindheit zusammen. In der Grundschule gab es eine Klasse mit vier Jahrgängen, der Kontakt zu einheimischen Kindern war selten. Selbst nachmittags blieb keine Zeit zum Spielen oder Lernen. „Wir mussten aufs Feld, haben Rüben oder Kartoffeln verzogen und Erbsenschoten abgewogen, um Geld dazuzuverdienen. Wir hatten ja nichts." Auch wenn im Sommer der Eiswagen auf's Dorf kam, gab es keine Ausnahme. Die Kinder mussten das Geld abgeben.

Maria Menneckes Familie wurde auf einem Hof in Vinnhorst freundlicher empfangen, doch Simon Benne weiß aus der Befragung vieler Zeitzeugen, dass diese positiven Erfahrungen eher eine Ausnahme sind: „Die Flüchtlinge und Vertriebenen wurden meist abgelehnt. Die ersten Begegnungen mit Einheimischen und die Art, wie sie aufgenommen wurden, waren entscheidend, ob sich jemand später in Hannover und der Region heimisch fühlte oder nicht."

Wenn Regina Bobien Sirenen hört, läuft ihr noch heute ein Schauer über den Körper. Sie hat in Dresden die Bombardierung eines Zugs miterlebt, in den auch ihre Familie fast gestiegen wäre, hätte die Mutter nicht darauf bestanden, dass alle zusammenbleiben sollten. Sprechen konnten die Kinder über ihre Ängste und Erfahrungen selbst später kaum. „Das wollte ja keiner hören", sagt Bobien. Auch therapeutische Hilfen gab es in den Nachkriegsjahren nicht.

In der Aula des Hannover Kollegs hören die Schülerinnen und Schüler, sichtlich beeindruckt von den Erzählungen der Zeitzeuginnen, konzentriert zu. Als ein Schüler Maria Mennecke fragt, warum ihr das Thema so wichtig sei, dass sie es öffentlich mit Schulklassen bespreche, muss die 80-Jährige nicht lange zögern. „Damit sich Flucht und Vertreibung nicht wiederholen," betont Mennecke. „Man kann es gar nicht so schlimm erzählen, wie es war. Und nachfühlen kann das keiner."

 

Gespräch mit Zeitzeuginnen

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